Theater
Rumpelstilzchen in der Sinnkrise
Unsere Theatergruppe brilliert mit ihrer jüngsten Produktion
Das haben Max und Lisa nun davon: Da wollen sie einmal ihre Hausaufgaben machen – und schon stecken sie mitten drin im Schlamassel. Eigentlich keine große Sache: Sie sollen im Internet Informationen über die Märchensammlung der Gebrüder Grimm einholen, aber sie haben nicht mit "Rumpelstilzchens Rache" gerechnet.
Ihre höchst eigenen Gedanken zum Thema "sicheres Internet" hat sich die Theatergruppe des Gymnasiums Wertingen gemacht. Unter der Leitung von Petra Wohlrab und Barbara Meyer, aus deren spitzer Feder auch der Text zu "Rumpelstilzchens Rache – Aufruhr im Märchenwald" stammt, bürsten die Schüler die Klassiker gehörig gegen den Strich.
Das Rumpelstilzchen (dargestellt von Maximilian Schmid) hat es nämlich satt, seit Jahrhunderten am Ende immer der Verlierer zu sein. Und so ist es heimlich zum Computervirus mutiert, das sich in rasender Geschwindigkeit im virtuellen Märchenwald ausbreitet und ein fabelhaftes Chaos anrichtet.
Dornröschen (Amélie Krämer) träumt in ihrem hundertjährigen Schlaf von einer Hollywood-Karriere und ihr Märchenprinz (Carina Joachim) denkt gar nicht daran, sich beim Kampf gegen die Hecke blutige Schrammen zu holen. Der ist nämlich der Sohn von König Fußball und bejubelt lieber die Erfolge des FCA als sich mit dieser "voll krassen Tussi" abzugeben. Dem Rotkäppchen (Anna Spicker) ist nicht nur der Wolf abhanden gekommen, sondern gleich auch noch die Großmutter. Die beiden sitzen friedlich vereint im Wirthaus beim Schafkopfen. Schneewittchen hat sich mit ihrer bösen Königin versöhnt. Seither haben sie nur noch eines im Kopf: Shopping bis der Arzt kommt. Ganz besonders schlimm hat es die sieben Zwerge erwischt. Ihr Bergwerk ist pleite, der Insolvenzverwalter hat das Kommando übernommen. Und nun droht den Kleinen – die Autoren lassen keine Chance für einen gepflegten Kalauer aus – der Absturz in Baum-Hartz VII. Folglich gehen sie auf die Straße und demonstrieren für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Sie wollen Kohle sehen.
Nur Frau Holle (Elisabeth Wiest) schüttelt nach wie vor regelkonform ihre Betten aus. Vermutlich hält sie ihren Virenschutz auf dem aktuellen Stand oder sie arbeitet auf einem Mac. Und so bleibt sie vor den Attacken aus dem Cyberspace weit gehend verschont. Damit ist der gute Ausgang garantiert, wie sich das im Märchen eben gehört.
Das Publikum quittiert die zahllosen witzigen Anspielungen auf aktuelle Ereignisse im richtigen Leben ebenso mit schallendem Gelächter wie die unvermeidlichen Spitzen gegen die anwesende Lehrerschaft. Am Ende steht donnernder Applaus für alle Beteiligten, die sich trotz G8-Stress in eine Unmenge Arbeit gestürzt haben, um ihr Publikum zu unterhalten.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann surfen sie noch heute.
Wir warten gespannt auf die nächste Produktion