Prof, stanno arrivando i tedeschi …



(Herr Lehrer, die Deutschen kommen an …) … so schallte es an einem Sonntagmorgen im März gut zwanzig unserer Neuntklässler am Flughafen Bari entgegen. Die ersten Kontaktversuche mit unseren Gastgebern aus Andria fielen noch sehr verzagt aus angesichts dessen, dass an gleicher Stelle eine Woche später echte Abschiedstränen vergossen werden sollten. Doch dazu später mehr.

Unsere Italienfahrer wurden beim Treffpunkt des Abreisetages mit strömendem kalten Regen in die Sonne der süditalienischen Region Apulien (Puglia) verabschiedet, so dass die blühenden Mandelbäume, die voll behangenen Orangensträucher sowie die schier endlosen Olivenwälder einen Anblick boten, bei dem nicht nur den begleitenden Lehrkräften (Fr. Baumeister und Hr. Werth) äußerst warm ums Herz wurde.

Doch auch andere Organe wurden in der Woche am Liceo Statale Riccardo Nuzzi  ausgiebig beansprucht, allen voran der Magen: Angesichts dessen, was die Mütter der Gastschüler nicht einmal, sondern zweimal als großes Buffet an regionalen Spezialitäten auf den Tisch zauberten, lief einem das Wasser im Mund zusammen, musste man viel (!!!) kauen und noch mehr Verdauungsschläfchen halten. Von Focaccia über regionale Obstsorten wie Orangen und Zitronen, tenerelli (Mandelkonfekt aus Andria) und taralli (ein lokales Knabbergebäck), Meeresfrüchten und gelatini (kleine Eiskreationen), alles trug dazu bei, dass man sich wie ein Gierschlund aus Dantes Divina Commedia fühlte. Allein, man musste keine Buße tun.

Nein, die Wertinger Jugendlichen wurden zudem noch mit echten kulturellen Highlights paradiesischer Natur verwöhnt, die teilweise Eingang ins Weltkultur- oder Weltnaturerbe der Unesco gefunden haben. Direkt in der Nachbarschaft Andrias befindet sich beispielsweise das Castel del Monte, eine achteckige Wohnburg des Stauferkönigs Friedrich II., welcher Andria liebte,  wie wir es tun. Auch die weit verzweigte Naturtropfsteinhöhle in Castellana wurde zusammen mit einem humorigen Süditaliener durchwandert, dort stellte die „Weisse Grotte“ einen absoluten Höhepunkt dar – obwohl am tiefsten gelegen. Aber nicht genug, das aus kleinen weiss getünchten Steinhäusern bestehende Dorf Alberobello wurden nebst den Fischeort Trani erkundet; dort in Alberobello machte der lokale Eishändler dann das Geschäft seines Lebens. Eigentlich sind diese Häuslein namens trulli (ja, es gibt scheinbar viele „L“ und „I“ in der apulische Sprache) als Vorratsspeicher erbaut worden, nicht als Eisdiele.

Aber die italienische Seite hatte einen Sinn für das Dramaturgische –  die Klimax, das Feuerwerk, es kam zum Ende der Woche: ein gemeinsamer Ausflug an den Golf von Tarent, wo in Ginosa gemeinsam der Hochseilpark von Torre Mattoni durchstiegen, der Bogen gezückt und ein Orientierungslauf absolviert wurde – all dies bei 19 Grad am menschenleeren Strand. Che spettacolo!

Obwohl an unserer Schule Italienisch nur als Wahlfach in der Oberstufe angeboten wird, so war bald ein reger Austausch mit den bambini italiani im Gange – das Englische half, wo nötig, doch die ausgeprägte Gestensprache des Gastlandes war noch viel nützlicher, um jedwedes Thema zu diskutieren und Alltägliches auszumachen.

So wuchsen in dieser Woche echte Freundschaften, das Bewusstsein um die Herzenswärme und Gastfreundlichkeit auf dem italienischen „Stiefelabsatz“ sowie ein echter europäischer Geist. Der ein oder die Andere waren beim Abschied einer Woche später zu Tränen gerührt, doch man sieht sich wieder – ci rividiamo! Wir freuen uns auf den Gegenbesuch Anfang des kommenden Schuljahres.

Christoph Werth