Professore, che bello questo castello!

Dunkle Gänge, es riecht nach Holz, Touristen mauscheln, der Wind pfeift durch bleiverglaste Fenster und Schwäne prangen aller Orten aus den Wappen und Dekorationen. Während Audio-Guides in jugendfreundlichem Handyformat im babylonischen Sprachengewirr vor sich hin gackern, schauen 26 italienische und 25 deutsche Augenpaare gebannt an die goldenen Decke des Thronsaals Ludwig II.

Allora, Neuschwanstein ist natürlich schon eine gemella, ein Schmuckstück, doch die echten – nicht ganz so touristisch aufbereiteten – Seiten Bayerns haben unsere Gäste aus Andria (Apulien) zusammen mit ihren deutschen Gastgebern aus den zehnten Klassen rund um Wertingen diesen Oktober schon vorher kennen gelernt.

Und was gab es da nicht zu entdecken! Ein Empfang im Schloss durch Wertingens Bürgermeister, Herrn Lehmeier, beispielsweise – als gelungener Start in eine Woche voller europäischer Entdeckungen. So wurde in Augsburg auf den Spuren der mit den Medici handelnden Fugger gewandelt, in München wurde die „nördlichste Stadt Italiens“ erkundet, nicht zuletzt das Olympiazentrum beeindruckte. Gut, dass an diesem Tag der Fön die Alpen auch noch in greifbare Nähe der Münchner Frauenkirche rückte und noch bayerische Vier- und Zweiräder etwas Abwechslung gegenüber dem „vielen, vielen Laufen“ boten.

Zwischen den Jugendlichen durfte natürlich – trotz europäischer Einheit – ein gewisser Wettbewerbsgedanke gepflegt werden. Letzterer wurde nicht zuletzt beim Bubble-Soccer und Klettern in Gersthofen gepflegt, aber auch beim außerschulischen Wettessen mit Schnitzeln, Schweinshaxe und bayerischen Braugetränken wurde ein(e) gewisse(s) Maß an Wetteifer weiter verfolgt, so vernahmen es zumindest die Lehrer, Herr Pistillo, Herr Spadavecchia und Herr Werth.

Um den Freunden aus Andria noch einen bleibenden Eindruck aus Bayern mit auf den Weg zu geben, haben es sich die deutschen Schülerinnen und Schüler nicht nehmen lassen, ein gemeinsames bayrisches Frühstück bei Weißwürsten, Brezeln und (natürlich alkoholfreiem) Weißbier zu veranstalten, ehe die Gruppe durch Herrn Werth zurück an den Flughafen nach München gebracht wurde.

Als Fazit bleibt, dass man sich auch ohne gemeinsame Sprache optimal verstehen kann (hier und da half natürlich das Englische) und dass wir alle in einem gemeinsamen Europa der lebendigen Kulturen leben. Nichts hätte dies den Jugendlichen eindrucksvoller zeigen können als diese gemeinsame Woche volle Kultur, Kulinarik und Miteinander.

Christoph Werth