Oper in der Videokonferenz?

Der digitale Musik-Fernunterricht hat doch so manche Vorteile unter Pandemie-Bedingungen: Nicht nur dürfen alle zu Hause ganz ohne Aerosol-Angst im Zimmer die Stimme erklingen lassen und Lieder einstudieren; auch anderen beim Singen zuhören ist auf diese Weise möglich.

Am 12. Mai gab es für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5e und 6e eine Videokonferenz der besonderen Art: Die Sängerin Anna Gottmann und der Pianist Andreas Begert loggten sich ein und boten einen Einblick in die Welt des Theaters und Operngesangs mit dem Workshopkonzert „Opernkoffer für Schwaben: Aria Grande“.

Nachdem uns das Künstlerduo gezeigt hat, dass Opernarien oftmals so berühmt sind, dass sie einem – ohne je eine Oper gehört zu haben – bekannt vorkommen, wie z.B. Verdis „La donna è mobile“ aus der Pizzawerbung, sahen wir auch unsere beiden Gäste in Aktion: Wir lauschten verschiedenen Stücke, mal dargeboten von Gottmann mit glockenklarer, hoher Sopranstimme und Begerts virtuos feinfühligem Klavierspiel, mal als Videoeinspielung mit Diana Damrau oder Pavarotti. Anhand von Gershwins „Summertime“ in zwei verschiedenen Versionen analysierten wir die Unterschiede zwischen Pop- und Operngesang.

Dann beschäftigten wir uns mit der Stimme an sich. Wie funktioniert sie und wie kann man sich selbst ein Modell mit Stimmbändern aus Tupperbox und Haushaltsgummis bauen? All das erfuhren wir und lernten auf diese Weise gleich, weshalb Männerstimmen meist tiefer als Frauenstimmen klingen. Dabei wurde außerdem jede erdenkliche Frage der Klasse beantwortet: Ob man nicht Halsschmerzen bekomme, wenn man so lange so hoch singt? Nein, erklärt Gottmann: Mit der richtigen Technik, die jeder erlernen kann, kratzt nichts, es soll sich stets offen und frei anfühlen.

So berichteten Frau Gottmann und Herr Begert auch von ihrer Ausbildung an der Musikhochschule, welche Voraussetzungen es für die Aufnahme gibt und was man dort lernt.

Zum krönenden Abschluss erzählte Anna Gottmann mithilfe vieler Requisiten lebendig und mitreißend die berühmte Geschichte von Mozarts „Zauberflöte“. Hierbei hinterließ die Videoeinspielung der beeindruckenden Koloratur-Arie der wütenden Königin der Nacht die Fünft- und Sechstklässler staunend zurück.

Wir danken dem Künstlerduo für den interessanten Einblick und die hingebungsvolle Beantwortung aller neugierigen Fragen und hoffen, dass bald auch wieder ein richtiger Opernbesuch im Staatstheater Augsburg möglich ist!

Annika Leinauer

Bild: Timo Reichelt