Das Literarische Quartett am GW

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause fand am 24. März 2022 endlich wieder eine Präsenz-Veranstaltung am Gymnasium Wertingen statt, die es Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern ermöglichte, einen äußerst amüsanten und interessanten Abend zu erleben. Im Musiksaal der Schule trafen sich literarisch Interessierte, denn Johannes Gutekunst, Katharina Kraus, Martin Lutz und Julia Seefried aus der Q12 hatten zum Literarischen Quartett eingeladen.

Bereits die Grußworte der stellvertretenden Schulleiterin Barbara Meyer machten zu Beginn deutlich, dass dem Lesen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in der Ukraine, eine immens wichtige Bedeutung zukommt. Dass die Auseinandersetzung mit Literatur aber nicht allein dazu dient, den Verstand zu schärfen und das kritische Denken zu fördern, bewies der weitere Verlauf des Abends. „Lesen braucht die Gemeinschaft, das Gespräch“, so die lesebegeisterte Deutschlehrerin. Damit sollte sie absolut Recht haben, denn die Freude der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Austausch über das Gelesene war für alle spürbar.

Vorgestellt wurden das Drama „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, die dystopischen Romane „1984“ von George Orwell  sowie „Der Report der Magd“ von Margret Atwood, und der Jugendroman „Boy in a White Room“ von Karl Olsberg. Nachdem die jungen Literaturkritikerinnen und -kritiker zunächst jeweils den Inhalt präsentiert und zentrale Themen anschaulich herausgearbeitet hatten, wurde im Anschluss eifrig darüber diskutiert, ob und inwiefern die Werke den Erwartungen und Ansprüchen der Leserschaft gerecht werden konnten. Vor allem Julia Seefried, die die Diskussion überdies bravourös leitete, war dabei mit ihrer Kritik alles andere als zimperlich. Spätestens als sie zur Untermauerung ihrer These, dass der Erzählstil Atwoods aufgrund der häufig verwendeten Wiederholungen etwas langatmig sei, auf einen Vergleich mit Cicero zurückgriff, an dessen Redundanz sie sich ebenfalls störe, wurde deutlich, wer die Rolle des von Autoren gefürchteten Literaturpapstes Reich-Ranicki in der Runde eingenommen hatte. Wenn also am Ende vielleicht auch nicht in allen inhaltlichen Punkten Einigkeit bestand, so war doch klar, dass sich die Schülerinnen und Schüler mithilfe ihres Deutschlehrers Dr. Christian Pöpperl im Vorfeld intensiv auf den Abend vorbereitet hatten. Ihre Expertise und ihr Engagement, mit dem sie sich über die von ihnen selbst gewählten Lektüren stritten, fanden im Publikum großen Anklang.

Für den Fall, in den Zuhörerinnen und Zuhörern die Leselust zu wecken, war zum Glück vorgesorgt worden: Nach dem Ende der lebhaften Diskussion über den Lesestoff konnte dieser direkt bei Herrn Gerblinger, dem örtlichen Buchhändler, der einen kleinen Stand aufgebaut hatte, käuflich erworben werden.

Katharina Bindl