Das Echo bei der SZ

München (echo) – Wie kommt eigentlich die Zeitung auf unseren Frühstückstisch? Wer entscheidet, was auf Seite 3 abgedruckt wird? Was macht man bei Schreibblockaden? Wie oft ruft jemand den Satz: „Stoppt die Druckmaschinen!!“? Und: Was passiert eigentlich, wenn einmal ein grober Fehler, eine Zeitungsente, gedruckt wird? Diese und andere Fragen brennen jungen Journalistinnen und Journalisten (und nicht nur diesen) unter den Nägeln. Daher nutzte die Echo-Redaktion die Gelegenheit, im Zuge ihres Ausflugs zum Jahresabschluss, der die traditionelle Fahrt vor Weihnachten ersetzte, die Redaktion der Süddeutschen Zeitung in München zu besuchen und Zeitung einmal live mitzuerleben. Bekannt ist das Echo dort schon, denn in den letzten Jahren war es immer wieder unter den besten bayerischen Schülerzeitungen beim Blattmacher-Wettbewerb – zuletzt Ende 2020.

Schon von außen ist das SZ-Hochhaus ein Blickfang.

Am 15. Juli war es dann so weit: Insgesamt 23 Redakteurinnen und Redakteure des Echos und des Echolinos fuhren zusammen mit ihren beratenden Lehrkräften Sandra Ritter und Christian Aigner nach München, wo sie von Redaktionsmanagerin Eva Buddeus im SZ-Hochhaus bereits erwartet wurden. Mit staunenden Augen mussten sich alle eingestehen, dass das Arbeitsumfeld dort doch ein wenig imposanter ist als in der eigenen Redaktion. Vor allem der große Konferenzraum der Chefredaktion im 25. Stockwerk mit einem gigantischen Ausblick über die bayerische Landeshauptstadt bis hin zu den Alpen hatte es allen angetan und man war sich einig, die Echo-Redaktionssitzungen zukünftig dort abzuhalten. 

Bei Brezen und Saft durften dann alle SZ-Redakteur Maximilian Gerl, der das Echo während des Lockdowns digital interviewt hatte, mit ihren Fragen löchern. Geduldig stand er Rede und Antwort und gab einen aufschlussreichen Einblick in seine Arbeit. So manchem merkte man – gerade in dieser Atmosphäre, in der man den Puls der Zeit und das Ticken der Uhr bis zum Redaktionsschluss um 16:15 Uhr förmlich spüren konnte – die aufkeimende Begeisterung für den Journalistenberuf regelrecht an.

Der Ort, an dem auch das Echo in Zukunft seine Redaktionssitzungen (leider nicht) abhalten wird.

Bevor es dann zum zweiten Teil des Vormittags ins Verlagshaus der Süddeutschen Zeitung zu einer Besichtigung der Druckmaschinen ging, hatte die Echo-Redaktion noch eine Überraschung für Sandra Ritter parat, die Ende des Schuljahres das Gymnasium Wertingen und somit auch das Echo in Richtung Weißenburg verlässt: Unter größter Geheimhaltung wurde in den Tagen vor dem Ausflug ein Abschiedsgeschenk vorbereitet, das die ebenfalls scheidenden Echochefs Dacian Redl und Julia Seefried zusammen mit Christian Aigner überreichten. Der perfekte Augenblick! Denn was kann es Schöneres geben, als im großen Konferenzraum der Chefredaktion der größten deutschen Tageszeitung nach 19 Jahren als beratende Lehrkraft der Schülerzeitung vor einem einmaligen Panorama verabschiedet zu werden? 

Die Echo-Redaktion war bei der Auswahl der Geschenke richtig kreativ und gestaltete sogar eine Sonderausgabe für Sandra Ritter.

Um aber die rechtzeitige Drucklegung der Samstagsausgabe der SZ nicht zu gefährden, zogen die Mitglieder des Echo anschließend zusammen mit Simon Reisinger weiter zum Verlagshaus, wo jeden Abend ab 16:45 Uhr die verschiedenen Ausgaben der Süddeutschen Zeitung – sowie einige andere bekannte Blätter Deutschlands – gedruckt werden. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte und Theorie des Druckens konnten die begeisterten Schülerinnen und Schüler die 120 Millionen Euro teure Druckmaschine bewundern und sogar erleben, wie ein Teil der nächsten Ausgabe gedruckt wurde. Die Geräuschkulisse der Maschine, die bis zu 30 000 Exemplare pro Stunde schafft, war mehr als imposant. Alle beeindruckte es außerdem, wie kunstvoll das Handwerk des Druckers auch im 21. Jahrhundert noch ist, und sie staunten nicht schlecht, als Simon Reisinger erklärte, dass jede der vier Sektionen der Druckmaschine, die übrigens alle (Frauen-)Namen haben, einen ganz eigenen Charakter aufweist und das geübte Auge der angestellten Techniker jede Seite einer gedruckten SZ problemlos der Sektion zuordnen kann, in der sie entstanden ist. Interessant zu erfahren war auch, dass mit jedem Wechsel der rotierenden Druckplatten, die immer für etwa 30 000 Exemplare reichen, auch Aktualisierungen eingearbeitet werden und somit eine SZ, die um 17 Uhr die Maschine verlässt, nicht genau die gleiche ist, wie eine, die um 23 Uhr gedruckt wird. Übrigens kann man bei dieser Geschwindigkeit den Druck nicht so einfach stoppen. Vielmehr werden durch das Drücken auf einen roten Knopf fehlerhafte Exemplare in der Weiterverarbeitung aussortiert. Und sollte wirklich einmal ein Redakteur einen groben Fehler machen, dann ist das zwar ärgerlich, aber nicht das Ende der Welt: Einen Tag später werden damit am Viktualienmarkt sowieso nur noch die Fische eingewickelt.

Leider durften die Druckmaschinen nicht fotografiert werden.

Mit all diesen neuen Erkenntnissen und bepackt mit einem Faksimile der ersten Ausgabe von 1945 sowie der aktuellen vom 15. Juli 2022 verbrachte die Redaktion dann den Rest des Nachmittags in der Innenstadt: Am Viktualienmarkt stärkten sich alle, bevor sie dann entweder Bücher einkauften oder im Englischen Garten flanierten. Nach einem so tollen Tag hofft das Echo natürlich darauf, im nächsten Jahr viele begeisterte neue Redakteurinnen und Redakteure begrüßen zu dürfen. Es braucht nämlich eine starke und motivierte Mannschaft, um auch weiterhin fundierten Schülerjournalismus betreiben zu können – und um mit einem im professionellen Zeitungsstandard gedruckten Heft mit einer Auflage von überwältigenden 500 Stück auch einen Mitarbeiter der SZ beeindrucken zu können.

Christian Aigner