„Bonjour le Cameroun!“ – Ein Gastvortrag mit Frühstück inklusive

Manchmal reicht ein Lehrwerk-Kapitel einfach nicht aus – dann muss echtes Leben her. Genau das bekamen die 10. Klassen des Gymnasiums Wertingen am 07.07. geboten: Nadine Ngantcha, Tante einer Schülerin der Klasse 10d, besuchte den Französischunterricht und nahm die Klasse mit auf eine Reise nach Kamerun, dem aktuellen Länderschwerpunkt im Lehrwerk.

Nadine kam mit 21 Jahren nach Deutschland, um in Bremen Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren – und hatte damit nicht nur spannende Geschichten aus Kamerun im Gepäck, sondern auch aus erster Hand Erfahrungen darüber, wie es ist, für ein neues Leben und eine neue Sprache den Sprung in ein fremdes Land zu wagen.

Statt trockener Fakten gab es Erzähltes aus erster Hand: über Alltag, Kultur und Sprachenvielfalt in Kamerun, wo Französisch und Englisch zwar die beiden Amtssprachen sind, daneben aber über 200 weitere Sprachen gesprochen werden. Die Schülerinnen und Schüler hörten aufmerksam zu, und es blieb nicht bei stillem Zuhören: Es wurden fleißig Fragen gestellt – etwa, warum es sie ausgerechnet nach Deutschland und nicht nach Frankreich verschlagen hat, obwohl Französisch doch ihre Muttersprache ist. Auch beim Thema Essen und Schulalltag in Kamerun wollten die Schülerinnen und Schüler genau Bescheid wissen.

Zum Abschluss gab es noch eine kulinarische Überraschung: Nadine hatte Beignets mitgebracht, ein traditionelles kamerunisches Gebäck, das dort liebevoll auch als „Frühstück der Armen“ bekannt ist. Die Klasse ließ es sich jedenfalls schmecken.

Zum Schluss hatte Nadine noch zwei Botschaften im Gepäck: Zum einen, dass sich das Sprachenlernen lohnt – es öffnet Türen und verbindet Menschen. Zum anderen bat sie die Klasse eindringlich darum, Menschen nicht vorschnell zu verurteilen, nur weil sie anders aussehen oder aus einem anderen Land kommen. Hinter jedem Menschen stecke eine eigene Geschichte, die nicht immer leicht oder schön sei – ein Gedanke, der die Schülerinnen und Schüler sichtlich nachdenklich zurückließ, gleichzeitig aber auch mit einem warmen Gefühl der Verbundenheit und Offenheit im Gepäck nach Hause schickte.

Verena Franke